Moderations-Referenz · intern

Halbtägiger Use-Case-Workshop

Gemeinsam Anwendungsfälle identifizieren, 1–2 davon live umsetzen und eine priorisierte Roadmap ableiten. Vendor-neutral — nach dem Eisberg-Modell.

⏱ ~4 h vor Ort 👥 GF + 1–2 Wissensträger 🎯 1 Moderator (ggf. + Partner) 📦 Output: Use Cases · Roadmap · Goodies

1 Grundhaltung nicht verhandelbar

Der rote Faden für die ganze Session.

🧊 Eisberg-Modell

Produkt wird nicht benannt — kein MCP-, Server-, Framework-Vokabular, keine Architektur. Geliefert wird Nutzen am Anwendungsfall. Das Angebot kommt nach dem Erfolgserlebnis, regulär bepreist — nie im Workshop.

👂 Erst zuhören, nicht lösen

Erste Hälfte: verstehen. Lösungsideen erst nach der Priorisierung.

🎯 Nie erfinden — live vorführen

Fehlt ein Wert, fragt das System nach statt zu schätzen. Das ist der Vertrauens-Moment, nicht die Techno-Demo.

🔎 Bezahlte Entdeckung

Nebenbei entsteht die komplette Bestandsaufnahme (Prozesse, Wissensorte, Schmerzpunkte, Owner). O-Töne wörtlich sichern, nicht glätten.

2 Vorbereitung

Spätestens am Vortag — nichts live zum ersten Mal.

  1. Echtes Material anfordern: 1–2 reale Wissensstücke (SOP, Excel-Liste, ein „das weiß nur der Meister"-Thema). Ohne echtes Material kein Aha-Moment.
  2. Arbeitsumgebung testen: sauberes claude.ai-Projekt (nicht das eigene Dogfooding-Setup), geplanten Live-Ablauf einmal durchspielen.
  3. Aufzeichnung klären: Gerät/Transkription bereit; Einverständnis zu Beginn auf der Aufnahme einholen. Ohne Einverständnis: mitschreiben.
  4. Goodie-Skills als ZIPs auf dem Rechner (use-case-radar, skill-werkstatt) + Roadmap-Vorlage ausdruckbar/beamerfähig.
  5. Innerlich parat: DIY-Ein-Satz-Antwort · TCO-Offenheit (Claude-Abos des Kunden) · keine SLA-Zusagen · One-Pager nur für die Nachbereitung.

3 Agenda

Richtwerte — Reihenfolge einhalten. Hervorgehobene Blöcke sind die Kernmomente.

9:00–9:15
EinstiegErwartung klären („Use Cases + Roadmap, heute wird real gearbeitet"), Aufnahme-Einverständnis auf Band.
9:15–10:30
Standortbestimmung (Blöcke A–F)Zuhören, O-Töne sammeln, Owner identifizieren.
10:30–10:45
Pause = Blitz-AuswertungModerator sortiert Schmerzpunkte ins Heuristik-Raster.
10:45–11:15
Gemeinsame PriorisierungRaster transparent an die Wand, Kunde wählt mit; genau einen Fall zuerst.
11:15–12:15
Live-Umsetzung 1–2 Use CasesEchtes Material, Kunde formuliert selbst, Nie-erfinden-Moment zeigen.
12:15–12:50
Roadmap ableitenRoadmap-Vorlage gemeinsam befüllen.
12:50–13:00
AbschlussGoodies übergeben, nächsten Schritt mit Datum festmachen — kein Vertrag im Raum nötig.

4 Standortbestimmung — Fragenblöcke

Eine Frage auf einmal · konkrete Fälle statt Abstraktion („zeigen Sie mal") · je Block paraphrasieren und bestätigen lassen · keine IT-Begriffe.

A Betrieb & Geschäft 10′
  • Womit verdient ihr Geld?
  • Wer macht was?
  • Was läuft richtig gut?
B Typische Woche 15′
  • Letzten Auftrag Schritt für Schritt (Anfrage → Rechnung).
  • Was wiederholt sich ständig?
  • Wer wird am häufigsten unterbrochen — und wonach?
C Wissenslandkarte 15′
  • Wo schaut ein Neuer nach? Was steht nur in Köpfen, bei wem?
  • Was passiert bei 3 Wochen Urlaub / Rente des Trägers?
  • Welche Excel / Ordner / Zettel?
  • Welche Fachsysteme? (nicht duplizieren — aber ihre Lücken sind interessant)
D Schmerzpunkte & Kosten 15′
  • Was kostet jede Woche Zeit?
  • Was wird doppelt gemacht / immer neu erklärt?
  • Wo sind Fehler durch fehlende/veraltete Info passiert? Was bleibt liegen?
  • Je Punkt: „Wie oft — täglich, wöchentlich?" + O-Ton wörtlich.
E Digital & KI heute 10′
  • Schon probiert — was blieb, was flog raus, warum?
  • Was müsste passieren, damit ihr so einem Werkzeug vertraut? (Bedenken ernst nehmen.)
F Prioritäten 10′
  • Wenn EINE Sache nächste Woche gelöst wäre — welche?
  • Wer würde das verantworten und freigeben?
  • Zusammenfassen, bestätigen lassen.

5 Priorisierung — Auswahl-Heuristik

Jeden Schmerzpunkt gegen alle vier Kriterien bewerten: erfüllt / unklar / nein. „Unklar" ist eine offene Frage — kein stilles „erfüllt".

Schmerzpunkt Frequenz
wöchentlich+
Wissensabhängig
Köpfe/Excel/Ordner
Risiko tolerierbar Klarer Owner Fazit
Bewusst NICHT zuerst: seltene Spezialfälle · alles ohne Owner · Hochrisiko-Entscheidungen (Rechts-/Sicherheitskritisches) · Vanity-Fälle ohne Alltagsbezug.
Ergebnis: 3–5 priorisierte Fälle, davon genau einer für die Live-Umsetzung zuerst.

6 Live-Umsetzung — der Aha-Moment

Am echten Material. Der Kunde erlebt es selbst.

  1. Gewählten Fall mit dem echten mitgebrachten Material aufsetzen (claude.ai-Projekt, Material als Projektwissen).
  2. Der Kunde formuliert die Frage selbst, in Alltagssprache — nicht wir. Der Owner tippt, wenn er mag.
  3. Ergebnis am echten Vorgang prüfen lassen („stimmt das so?").
  4. Nie-erfinden-Moment inszenieren: eine Frage stellen, deren Antwort im Material fehlt → zeigen, dass nachgefragt statt erfunden wird. Fehler live reparieren statt vertuschen.
  5. Wenn Zeit: zweiten Fall in Kurzform — oder den ersten als wiederholbaren Ablauf skizzieren (Vorgeschmack auf die skill-werkstatt).
Erfolgskriterium der Session: Der Kunde formuliert selbst mindestens einen weiteren Anwendungsfall („dafür könnten wir das ja auch …").

7 Roadmap ableiten

Roadmap-Vorlage gemeinsam befüllen. Stufen in Kundensprache — der interne Adoptions-Bogen wird nicht so benannt.

Stufe (Kundensprache)InternTypischer Folgeauftrag
„Erste Erfolge verbreitern"Phase 1 · Quick Winsim Workshop begonnen
„Firmenwissen verlässlich machen"Phase 2 · WissensbasisSetup-Engagement
„Abläufe wiederholbar machen"Phase 3 · Prozesse gießenProzess-Pakete
„Zur Gewohnheit machen & messen"Phase 4 · VerankernRetainer / Check-ins
Je Stufe: Ziel · konkrete Inhalte (aus den priorisierten Schmerzpunkten!) · Owner · Zeithorizont.
Keine Preise im Workshop — das Angebot folgt in der Nachbereitung.

8 Goodie-Übergabe

Zwei Kunden-Skills übergeben und in 2 Minuten zeigen (nicht schulen). Rahmung: Werkzeug, kein Produkt. ZIPs per Mail in der Nachbereitung.

use-case-radar

„Wenn euch die nächste Idee kommt: damit prüft ihr in 10 Minuten, ob sie taugt, und macht einen scharfen Steckbrief daraus."

skill-werkstatt

„Und damit macht ihr aus dem Steckbrief eine wiederholbare Arbeitsanweisung — inklusive Test."

9 Guardrails

Do / Don't — im Zweifel hierher schauen.

✓ Do

  • Kunde formuliert / tippt selbst
  • Echte Inhalte verwenden
  • Fehler live reparieren
  • Datenschutz-Negativliste erwähnen (keine Gehälter/Passwörter, keine Fachsystem-Dubletten)
  • O-Töne wörtlich notieren

✕ Don't

  • Nichts senden / veröffentlichen
  • Keine SLA-/Verfügbarkeitszusagen
  • Claude-Abo-Kosten (TCO) nicht verschweigen
  • Keine Architektur-Erklärung
  • Nie gegen andere Ansätze/Guides argumentieren
  • Kein „ersetzt euer Branchenprogramm" — es ergänzt
  • Bei „können wir das nicht selbst?": Ein-Satz-Antwort, freundlich, einmal
  • Keine neue Zusage ohne Kapazitätsprüfung

10 Nachbereitung

Macht aus dem Workshop den Folgeauftrag.

  1. Transkript auswerten → internes Dossier (Betriebsprofil, Wissenslandkarte, gescorte Schmerzpunkte, Owner, OFFEN-Punkte) + Quick-Win-Empfehlung. Macht das spätere Onboarding zum Delta statt zum Start bei Null.
  2. Binnen 48 h: kurze Mail — Dank, die 3–5 bestätigten Punkte, Roadmap-Dokument als Anhang, Goodie-ZIPs, vereinbarter nächster Schritt mit Datum. One-Pager je nach Reifegrad beilegen.
  3. Eigene Ablage: Pipeline-Zeile fortschreiben, Engagement-Notizen + Zusagen sichern, Befunde ins Befund-Log.
  4. Angebot (Stufe „Firmenwissen verlässlich machen") erst nach dem Erfolgserlebnis, regulär bepreist — nie „kostenneutral", keine Gratis-Monate.